In der Fremde VI
Wolken, wälderwärts gegangen,
Wolken, fliegend übers Haus,
Könnt ich an euch fest mich hangen,
Mit euch fliegen weit hinaus!
Tag’lang durch die Wälder schweif ich,
Voll Gedanken sitz’ ich still,
In die Saiten flüchtig greif’ ich,
Wieder dann auf einmal still.
Schöne, rührende Geschichten
Fallen ein mir,wo ich steh’,
Lustig muß ich schreiben, dichten,
Ist mir selber gleich so weh.
Manches Lied, das ich geschrieben
Wohl for manchem langen Jahr,
Da die Welt von treuem Lieben
Schön mir überglänzet war;
Find’ ich’s wieder jetzt voll Bangen:
Werd ich wunderbar gerührt,
Denn so lange ist vergangen,
Was mich zu dem Lied verführt.
Diese Wolken ziehen weiter,
Alle Vögel sind erweckt,
Und die Gegend glänzet heiter,
Weit und fröhlich aufgedeckt.
Regen flüchtig abwärts gehen,
Scheint die Sonne zwischendrein,
Und das Haus, dein Garten stehen
Überm Wald im stillen Schein.
Doch du harrst nicht mehr mit Schmerzen,
Wo so lang dein Liebster sei–
Und mich tötet noch im Herzen
Dieser Schmerzen Zauberei.